Die Schule

Die École nationale d’administration (ENA) ist vielleicht die bekannteste der„grandes écoles“, die das französische Bildungssystem ganz spezifisch auszeichnen. Sie wurde 1945 von Charles de Gaulle in Paris gegründet, um den Zugang zu  leitenden Beamtenstellen fachübergreifend zu formalisieren und damit transparenter zu machen.  Damit wurden die Konsequenzen aus dem Versagen der Elite in Politik und Verwaltung  in der Zeit  vor  und während des zweiten Weltkriegs gezogen. Die ENA wird bis heute als Kaderschmiede der französischen Republik bezeichnet. Die Ausbildung  ist anwendungsorientiert. Der theoretische Unterricht und die Praktika in Verwaltung, Unternehmen und im Ausland ergänzen einander.

Die Aufnahme in die Schule erfolgt über den concours. Am Ende der Studienzeit steht das classement. Die französischen Schüler werden entsprechend dem Abschneiden in Prüfungen und Praktika vom ersten Platz, den der sog. Majeur de promotion einnimmt, bis zum letzten gelistet und dürfen sich nach dieser Reihenfolge die zur Verfügung stehenden Beamtenstellen aussuchen.

Es ist nicht unüblich, dass Absolventen ihre Beamtenlaufbahn später unterbrechen, um sich auf zentrale Positionen in Politik und Wirtschaft Frankreichs zu bewerben. Unter den Ehemaligen finden sich vier französische Staatspräsidenten und acht Premierminister, etliche Topmanager und hohe Beamte in der EU und in internationalen Organisationen. Statistisch liegt der Anteil der in der nationalen Politik agierenden ehemaligen Absolventen allerdings nur bei 2%.

Die französische Öffentlichkeit diskutiert seit vielen Jahren kontrovers über die ENA und ihre Absolventen. Zuletzt hat Staatspräsident Macron Überlegungen zu einer umfassenden Reform der Institution angestoßen. Mit Ordonnance vom 2. Juni 2021 hat die französische Regierung für die ENA ab dem 1.1.2022 eine Nachfolgeeinrichtung geschaffen, das Institut national du service public (INSP), in der die Beamtenfortbildung in den verschiedensten Sparten der öffentlichen Verwaltung gebündelt werden soll. Die Einzelheiten werden durch Rechtsverordnungen geregelt. Die Klärung vieler offener Fragen steht deshalb noch aus. Es ist im Prinzip vorgesehen, die internationale Zusammenarbeit in einer der neuen Institution angepassten Form fortzusetzen.

Die ENA kooperiert mit deutschen Partner, wie der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung, der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und Institutionen in Bayern und Baden-Württemberg. Daneben beteiligt sich die ENA in gewissem Umfang an deutsch-französischen berufsbegleitenden Fortbildungsprogrammen.